climBe München Erfahrungsbericht – warum ich mich für ein Klettercoaching entschieden habe

Obwohl ich schon seit vielen Jahren, genauer gesagt seit über 20 Jahren, klettere, habe ich immer noch einige Herausforderungen. Vor allem beim mentaler Stärke und bei gewissen Technikaspekten merke ich, dass da noch Luft nach oben ist.

Deshalb kam mir irgendwann der Gedanke: Warum nicht zum ersten Mal in meinem Leben ein Klettercoaching in München ausprobieren?

Was macht man also, wenn man nach einem Klettertraining in München sucht? Genau – man geht online und googelt. Oder in meinem Fall: Man fragt Perplexity. So bin ich schließlich auf climBe gestoßen, eine Kletterschule in München, die sich auf individuelles Coaching spezialisiert hat.

Auf der climBe Website steht 

„In unseren Klettercoachings und Kletterkursen gehen wir sehr individuell vor. Denn das Klettern kann nicht von der einzelnen Person losgelöst werden. Klettern ist menschlich. Jeder lernt unterschiedlich schnell, jeder nimmt Herausforderungen anders wahr und geht unterschiedlich damit um. Darauf gehen wir ein.“

Klingt erst einmal richtig gut und passt auch ziemlich genau zu meinen eigenen Vorstellungen. Gerade bei Angeboten, bei denen Menschen direkt mit Menschen arbeiten, sollten individuelle Bedürfnisse immer eine Rolle spielen.

Für mich zählt nicht, dass einfach ein Standardprogramm abgespult wird, wie man es vielleicht aus klassischem Klettertraining kennt.

Entscheidend ist vielmehr, die individuellen Stärken und Potenziale jeder einzelnen Person zu erkennen und genau dort anzusetzen. Genau das erwarte ich von einem guten Klettercoaching in München.

Also dachte ich mir, ich probiere das einfach aus. Mit einem Starter Klettercoaching mit der Dauer von 1,5h zu einem Preis von € 95 (Stand März 2026).

Mein Freund, der erst seit zwei Jahren klettert, aber langsam fast auf meinem Niveau ist, und ich haben jeweils zwei unterschiedliche Coaches von climBe kennengelernt: Leni und Máté.

Beide Sessions haben uns einen spannenden Einblick gegeben, wie ein strukturiertes und gleichzeitig individuelles Klettertraining bei climBe München aussehen kann.

Selbsteinschätzung vor dem Coaching

Als Erstes habe ich von ihnen per E-Mail ein Selbsteinschätzungsblatt zum Ausfüllen bekommen. Darin sollte ich mich in Bezug auf Technik, Taktik, Training außerhalb der Kletterwand, mentale Herausforderungen und meine Ziele selbst einschätzen.

Ein Teil davon war die Einschätzung meiner eigenen Stärken, also was ich schon gut kann, und meines Potenzials: Wo sehe ich selbst noch Luft nach oben?

Leni sagt, dass sich diese Selbsteinschätzung nicht immer mit dem deckt, was sie von außen beobachtet. Genau da wird es für sie spannend, und das eigentliche Coaching beginnt.

Zugegeben: Ich habe es mir angeschaut und mir auch Gedanken dazu gemacht. Für den Moment, als wir das Coaching hatten, hatte ich es allerdings noch nicht ausgefüllt.

Grundsätzlich würde ich empfehlen, das schon vor dem Coaching zu machen. Das ist mir erst im Nachhinein klar geworden. Manche Punkte muss man vielleicht auch erst kurz recherchieren oder sich wirklich Zeit nehmen, um sie aufzuschreiben.

Selbsteinschätzung Klettercoaching

Meine Selbsteinschätzung vor dem Klettercoaching

Grundsätzlich stelle ich mir so einen Fragebogen wie ein großes Puzzle vor. Jeder bringt dabei seine eigenen Puzzleteile mit, denn im Grunde ist jeder einzelne Aspekt fast schon eine Wissenschaft für sich. Man könnte Wochen, Monate oder sogar Jahre damit verbringen, sich nur mit einem dieser Themen intensiv zu beschäftigen oder gezielt daran zu trainieren.

Am Anfang hat man allerdings erst einmal nur etwa 90 Minuten Zeit. Ich glaube, genau hier liegt auch eine der Herausforderungen für einen Klettercoach.

Ein Coach muss relativ schnell entscheiden, wo es sich lohnt anzusetzen, um jemanden mit seinen individuellen Stärken und Schwächen möglichst effektiv voranzubringen. Im Grunde geht es darum, die Bereiche zu erkennen, in denen mit vergleichsweise wenig Aufwand schnell Fortschritte möglich sind, ganz nach dem Prinzip der „Low Hanging Fruits“.

climBe Coaching und die daraus gewonnenen Erkenntnisse

Besprächung meiner Selbsteinschätzung 

Als Erstes haben wir uns zusammengesetzt und ganz in Ruhe über meine Selbsteinschätzung gesprochen. Irgendwie wollte ich in diesem Moment vor allem über das Thema Taktik sprechen. Ich war mir nämlich gar nicht sicher, ob ich eigentlich bewusst taktisch klettere.

Natürlich wird bei jeder Person etwas anderes in so einem Fragebogen stehen, und die Prioritäten können sich vor und nach dem Training auch noch einmal verändern.

In meinem Fall haben wir mit dem Thema Taktik angefangen, jedoch bin ich am Ende der Session zu der Erkenntnis gekommen, dass ich einem Sturz- und Sicherungstraining nicht mehr ausweichen kann, wenn ich wirklich besser klettern möchte. Aber dazu komme ich später im Laufe meiner Erzählung noch.

Taktik beim Klettern: Wie Energiesparen, Crux und Rasten zusammenhängen

  • Klettertaktik beginnt mit einem Ziel: Energie sparen!

Das Ziel ist eigentlich immer, mit möglichst wenig Energie durch eine Route zu kommen. Eine Route ist deshalb nicht nur eine Abfolge von einzelnen Moves, sondern eher ein Zusammenspiel aus Ziehen und Rasten.

Die einfache Regel lautet also: In leichten Passagen so wenig Kraft wie möglich verbrauchen, damit genug Energie für die schweren Stellen übrig bleibt.

  • Rasten

Deshalb sollte man jede Rastposition so lange ausnutzen, bis sie einem wirklich nichts mehr bringt. Dabei versuche ich immer, möglichst effizient zu rasten: Arme möglichst gestreckt, die Hüfte nah an der Wand und so viel Gewicht wie möglich auf den Füßen.

Ein Merksatz, der mir besonders im Kopf geblieben ist: „Eine schwere Route kletterst du so lange, wie du in der Route Pausen machen kannst.“ Nicht danach, wie lange du einfach nur durchziehst.

Außer natürlich, du bist 16 und hast gefühlt unendliche Kraftreserven und Ausdauer.

  • Energie so planen, dass sie bis zur Crux reicht

Das eigentliche Ziel der Taktik ist, so zur Crux zu kommen, dass noch Fokus und Kraft da sind. Deshalb lohnt es sich immer, vor der Crux bewusst länger zu rasten. Viel länger, als ich es normalerweise tue. 

climBe München Erfahrungsbericht

Klettern am Fels

  • Clipstrategien zum Energiesparen

Auch beim Clippen kann und soll man Energie sparen.

Am besten clippt man auf Hüfthöhe oder leicht darunter und, ganz wichtig aus einer guten Ruheposition. So muss man weniger Seil ziehen und den Arm nicht so weit anheben, was Unterarmkraft spart. 

Erst die beste Körperposition finden, also gerade Arme und gute Tritte, und dann clippen. Nicht mitten in einem schweren Zug versuchen stehen zu bleiben.

Die größten Fehler in meiner Klettertaktik

  1. Pausen kommen bei mir zu kurz

  2. Ich clippe zu weit oben und verliere Energie, weil ich unnötig am Seil ziehen muss. Warum tue ich das? Ich habe einfach Sturzangst.

  3. Ich mache mir keine Gedanken vor der Route wo die Crux ist. Ich lese die Route kaum.

Klettertraining climBe München

Klettern Teneriffa

Gerade auf Ausdauer-Routen geht überraschend viel Zeit für Suchen, Clippen und Rasten drauf und nicht nur für die eigentlichen Bewegungen.

Mir ist dabei aufgefallen, dass ich ohne bewusste Taktik unnötig Kraft in eher einfacheren Passagen verbrenne und dann im oberen Drittel der Route oder für die Crux nichts mehr übrig habe.

Wie klettert man eigentlich mit den Beinen?

Hast du dir eigentlich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was es wirklich heißt, aus den Beinen zu klettern? Ich war der Meinung zuerst nach so vielen Jahren Klettererfahrung, dass ich mich damit ziemlich gut auskenne. 

Im Grunde klingt es ja logisch. Jeder weiß, dass wir in den Beinen viel mehr Muskelkraft haben als in den Armen. Selbst wenn die Beine nicht besonders stark trainiert sind, können sie beim Klettern deutlich mehr Kraft für die Aufwärtsbewegung liefern.

Aber etwas zu wissen und es tatsächlich konsequent umzusetzen, sind zwei völlig verschiedene Dinge. Also zuerst bewusst aus den Beinen zu klettern und irgendwann so weit zu kommen, dass es ganz automatisch passiert.

Klettertraining climBe München

Klettertraining climBe München

Ich erkläre gerne, warum.

Was ich in diesem Klettertraining mit Leni wirklich verstanden habe: Bevor man anfängt, mit den Armen zu ziehen, sollte man zuerst ganz bewusst mit den Beinen vertikal aufstehen. Als ob man dich am Scheitel  hochziehen würde.

Die Beine übernehmen dabei den Großteil der Aufwärtsbewegung. Die Arme helfen eher beim Stabilisieren und beim Heranziehen des Körpers zur Wand.

Aufstehen kommt vor dem Ziehen. Viele Züge lassen sich tatsächlich fast komplett aus den Beinen machen: Die Beine drücken den Körper vertikal gegen die Schwerkraft nach oben. Die Arme arbeiten idealerweise eher horizontal und bringen den Körperschwerpunkt näher an die Wand. So spart man Kraft in den Unterarmen, weil Beine deutlich stärker und ausdauernder sind als Arme.

Leni hat mir erzählt, dass wenn sie von einer schweren Route herunterkommt, spürt sie die Belastung oft in den Beinen und in der Gesäßmuskulatur, nicht in den Armen. 

Bei mir dagegen sind fast immer die Unterarme komplett gepumpt. Das zeigt ziemlich deutlich, wo ich noch Potenzial habe.

Woran erkenne ich, dass ich wirklich aus den Beinen aufstehe?

Dazu gibt es eine kleine Übung, mit der man ziemlich schnell merkt, ob man wirklich aus den Beinen aufsteht oder doch eher aus den Armen zieht.

Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Stell dich mit Kletterschuhen auf den Boden und geh in die Hocke, sodass du nur auf den Zehenspitzen stehst. Von dort aus drückst du dich bewusst aus der Beinkraft nach oben.

Gedanklich startet die Bewegung direkt aus den Zehenspitzen heraus, so beschreibt es Leni. Versuch dabei, dir das Gefühl in deinen Beinen gut einzuprägen.

Genau dieses Gefühl solltest du später auch beim Klettern wiederfinden. Bei jedem Zug geht es im Grunde darum, zuerst aus den Beinen aufzustehen und die Bewegung nach oben einzuleiten, bevor die Arme überhaupt anfangen zu ziehen.

Meine Sturzangst beim Vorsteigen

Ich gehöre zu dieser Sorte der Kletterer, die fast nie stürzen. Mir ist schon immer vollkommen bewusst gewesen, dass infolge dessen 

  1. Ich klettere nur in meiner Komfortzone und vermeide Projekte, die Stürze erfordern, was dein technisches und mentales Wachstum blockiert.
  2. Ich komme selten in den Flow-Zustand. Ständiges Sturz-Bewusstsein (einfach angst) führt zu verkrampften, statischen Bewegungen mit früher Pumpe, statt fließendem Stil.
  3. Keine Erfahrung mit kontrollierten Stürzen erhöht Panikrisiko in unvorhergesehenen Situationen und schwächt das Vertrauen.

Über Sturzangst habe ich schon einiges geschrieben. 

Körperliche und mentale Stärke

Sturzangst Klettern: Wenn die Neugier größer wird als die Angst – Meine persönliche Erfahrung

Was ist Sturzangst beim Klettern? Definition und psychologische Einordnung Sturzangst beim Klettern [...]

Blindes Vertrauen zum Sicherungspartner: Geht das überhaupt?

Ich habe Leni gefragt, ob sie vor einem Sturz eigentlich zu ihrem Sicherungspartner nach unten schaut. Denn genau das mache ich.

Wie sich herausgestellt hat, suche ich in solchen Momenten meistens sogar bewusst den Blickkontakt nach unten. Metaphorisch gesagt: In meinem Kopf läuft dann der Gedanke ab, dass mein Sicherungspartner gerade Fußball schaut, und ich will lieber noch einmal sicherstellen, dass er bei mir ist.

Natürlich ist das völliger Humbug. Aber es beschreibt ziemlich gut, wo mein Reptilienhirn in diesem Moment unterwegs ist.

Leni hat mir daraufhin erzählt, dass sie vor einem Sturz eigentlich nicht zu ihrem Sicherungspartner schaut. Ihr Blick geht eher dorthin, wo sie landen wird, um den Sturz besser einschätzen zu können und sauber zu landen.

„Na gut“, habe ich dann gesagt.

„Dann muss ich wohl einfach lernen, meinem Sicherungspartner blind zu vertrauen und einfach springen.“

Die Lenis Reaktion war herrlich ironisch. 

Irgendetwas in der Art von: „Viel Erfolg damit.“

Danach hat sie mich gefragt: „Auf welcher Grundlage sollte dein Kopf eigentlich blindes Vertrauen aufbauen?“

Ertappt. Die Frage trifft ziemlich genau den Punkt. Vertrauen entsteht beim Klettern nicht einfach, weil man sich vornimmt, jetzt zu vertrauen. Es entsteht eher durch Erfahrung, Wiederholung und viele kontrollierte Situationen, in denen man merkt, dass alles funktioniert.

Hinzu kommt noch, dass mein Sicherungspartner 30 Kilo schwerer ist als ich. Spätestens an diesem Punkt darf man anerkennen, dass weiches Sichern viel mit Sturzphysik zu tun hat. Entsprechend sollte man es auch bewusst üben und trainieren.

Also sind wir an dem Punkt angekommen, an dem blindes Vertrauen überhaupt erst eine Chance bekommt. Dafür brauchen sowohl der Kletterer als auch der Sicherungspartner im Grunde einen Mediator, also jemanden, der beide gemeinsam trainieren und Hemmungen abbauen kann.

Weitere spannende Erkenntnisse von der Kletterschule climBe

Klettercoach Mann vs. Frau 

Mal ganz nebenbei: Für mich persönlich habe ich aus dem Ganzen noch eine ziemlich interessante Erkenntnis in Bezug auf die Geschlechter der Coaches mitgenommen.

Ich hatte ursprünglich gedacht, dass mein Freund eher von einem Mann gecoacht werden sollte. Durch seine Größe und Muskelkraft klettert er einfach anders als ich. Deshalb dachte ich, dass ihm ein größerer Mann als Coach in dieser Hinsicht vielleicht besser helfen könnte.

Erst im Nachhinein, in einem Gespräch mit Leni, habe ich gemerkt, dass ein Mann, vor allem am Anfang seiner Kletterreise, auch von einer Frau sehr gut gecoacht werden kann. Einfach wegen der ganzen Klettergrundlagen, die für jeden Menschen gleich relevant sind, unabhängig von Größe oder Statur.

Für Frauen kann es in manchen Fällen wiederum sinnvoll sein, auch von einer Frau gecoacht zu werden. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass wir auch beim Klettern stark von unserem Zyklus und hormonellen Schwankungen beeinflusst werden.

Leni hat dazu einen wirklich spannenden Artikel dazu geschrieben. Es lohnt sich, den zu lesen, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen. Da ist noch viel Aufklärung, sogar unter den Frauen nötig.

Je nach Phase im Monat funktionieren wir teilweise ganz anders. Mal ruhiger oder ängstlicher, mal stärker oder zurückhaltender. Und das kann tatsächlich nur eine Frau wirklich nachvollziehen.

Mein persönliches Fazit: Warum die Kletterschule climBe München für mich besonders ist

climbe-kletterschule-muenchen-training

Das Schreiben dieses Blogbeitrags hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie viel ich in diesen eineinhalb Stunden Klettercoaching tatsächlich mitgenommen und gelernt habe.

Ein paar blinde Flecken sind mir erst dadurch wirklich bewusst geworden, vor allem im mentalen Bereich und bei meiner Beinarbeit. Andere Dinge wie Pausen oder Clippositionen waren mir zwar schon irgendwie klar. Ihre Bedeutung und Priorität sind mir jetzt aber noch einmal viel bewusster geworden.

Genau hier liegen vermutlich auch die Punkte, an denen meine Selbsteinschätzung nicht ganz mit dem professionellen Blick von Leni übereinstimmt.

Insgesamt kann ich sagen, dass es eine wirklich tolle Erfahrung war. Ich würde so ein Coaching jedem empfehlen, der es ernst mit dem Klettern meint und schneller Fortschritte machen möchte.

Ein Coach bringt einfach einen anderen Blick von außen mit. Jemand, der viele Situationen gesehen hat und etwas strukturierter an die Sache herangeht. Genau so jemand kann einem zeigen, wo die eigenen blinden Flecken liegen.

Manchmal reicht genau dieser Blick von außen, um sich monatelanges Ausprobieren zu sparen und den eigenen Zielen ein gutes Stück näher zu kommen.

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