Der ultimative Kletterjargon für Anfänger, Fortgeschrittene – und alle, die beim Griff nach den Sternen nicht danebenlangen wollen
Wenn man das erste Mal mit Kletterern spricht, fühlt es sich an, als hätte man versehentlich in einem Paralleluniversum angedockt. Worte wie „Dreibeinlogik“, „Bouldermatte“ oder „Dyno“ fliegen einem um die Ohren, während man selbst noch überlegt, ob das Ding an der Wand jetzt Griff oder Tritt heißt. Keine Sorge – du bist nicht allein.
In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf eine kleine Expedition in die absurde, charmante und manchmal überraschend philosophische Sprache des Kletterns.
Von Chalk bis Crux: Der Anfang jeder guten Klettersession
Bevor du dich in den Fels oder in die Halle stürzt, brauchst du das Grundvokabular. Denn ohne die richtigen Worte wird aus einem „Dyno“ schnell ein „ungewollter Sturzflug“, und dein „Crux“ bleibt ein mysteriöser Fleck an der Wand.
Merke dir: Wer den Kletterjargon beherrscht, klettert zwar nicht besser, klingt aber zumindest beim Abflug professioneller deutlicher.
Kreide – das weiße Gold der Kletterer
Kreide ist das weiße Pulver (Magnesiumcarbonat), das Kletterer nutzen, um trockene Hände zu behalten. Für Außenstehende sieht es aus, als würde man sich die Hände mit Babymehl pudern – aber ohne Kreide bist du schnell auf dem „Slip 'n Slide“-Niveau unterwegs. Egal ob Block, Ball oder flüssig – Chalk ist die Eintrittskarte in den Club der Griffigen.

Kreidehände beim Klettern
Crux – der Punkt, an dem's zählt
Die Crux ist die Schlüsselstelle – also der Moment in der Route, wo du entweder wie Spider-Man aussiehst oder wie ein nasser Sack abfliegst. Wer die Crux löst, verdient sich den Kletterstolz des Tages – und eine extra Portion Chalk.
Wände, Wut und Wandlung: Was drinnen und draußen passiert
In der Kletterhalle klingt alles harmlos: „Ich geh kurz bouldern.“ Draußen am Fels wird daraus schnell ein episches Abenteuer.
Doch egal wo – Jargon gehört dazu.
Bouldern – Klettern für Ungeduldige
Wer beim Seilklettern Panik bekommt, weil das Sichern mehr Zeit braucht als das eigentliche Klettern, landet früher oder später beim Bouldern. Kurze, knackige Routen in maximal vier Metern Höhe, dafür mit dicken Matten unten drunter. Klingt harmlos – bis du beim dritten Versuch einer „6B+ Traverse mit Sloper-Endung“ anfängst, dein Leben zu hinterfragen.
Spotten – das kontrollierte Fallenlassen
Beim Bouldern sichert kein Seil, sondern dein Lieblingsmensch, der unter dir steht und aufmerksam „spottet“. Nein, nicht „starrt“ – „spotten“ bedeutet, den Fall so zu lenken, dass du sicher auf der Matte landest. Bonuspunkte gibt's für den coolen, schnellen tänzerischen Catch-Move, wenn du wirklich fällst.
Beta – das geheime Wissen der Szene
Die Beta ist der heilige Gral jedes Boulderraums. Sie ist die Lösung oder Abfolge einer Route. Wer seine Beta teilt, ist der Philosoph der Wand. Wer sie für sich behält, ist entweder ehrgeizig oder hat schlicht keine Ahnung, wie's eigentlich gehen soll.
Man munkelt, wer im richtigen Moment die Beta flüstert, spart sich drei Versuche, zwei Hautschichten und einen mittelgroßen Nervenzusammenbruch. Und wenn gar nichts mehr geht, bleibt immer noch Plan B: so tun, als wäre genau diese vollkommene chaotische Bewegung natürlich die eigene Beta gewesen.
Hand drauf: Griff, Tritt und die Dreibeinlogik
Griffe: Von Sloper bis Leiste
Klettergriffe sind die Wörter im Alphabet der Vertikalen.

Zangengriff im Kletterjargon oder einfach nur ein Pinch: Zwei parallele Kanten zusammendrücken
Ob Chalk-Finger, pumpende Unterarme oder Beta-Flüsterer – der Kletterjargon erzählt Geschichten. Jede Redewendung, jeder Fachausdruck ist ein kleines Stück gelebter Erfahrung, Humor und Leidenschaft. Und wenn du das nächste Mal in der Halle stehst, weißt du: Hinter jedem „Dyno“ steckt mehr als ein Sprung – es steckt eine Einstellung zum Leben.
Dreibeinlogik – der stille Zen-Moment an der Wand
Die Dreibeinlogik besagt, dass du im Kletterjargon immer drei Punkte (zwei Füße, eine Hand oder umgekehrt) stabil hältst, während dich ein vierter bewegt. Wer sich daran hält, wirkt plötzlich wie der Zen-Meister der Wand und nicht mehr wie ein aufgeregtes Wiesel auf Espresso.
Klingt einfach, fühlt sich aber an, als würde man gleichzeitig Schach, Yoga und Jenga spielen. Wer's beherrscht, schwebt; Wer's ignoriert, liefert dem Boulderraum gratis Slapstick und lernt den Begriff „Binnenflug“ ganz neu kennen.
Dyno oder nichts: Wenn Klettern zur Flugstunde wird
Ein Dyno (kurz für „dynamischer Zug“) ist der Sprung zwischen zwei Griffen, die außerhalb deiner Reichweite liegen. In diesem Moment gibt's keinen Plan B: Du springst – oder bleibst kleben. Im Hallenjargon gilt der Dyno als teilsportliche Mutprobe, teils Ausdruckstanz mit Wänden.
Beispiel: Du schwingst dich ab, spürst den Adrenalinkick – und landest perfekt in den Griff. Jubel! Zehn Sekunden später hörst du: „War gar kein Dyno – du hast genau geguckt!“ Willkommen in der Relativitätstheorie des Klettersports. Ein echtes Dyno passiert völlig spontan.
Pump, Flash und Onsight: Die Champions League des Kletterns
Pumpe – die Milchsäurehölle
Der Pump ist kein Fitnessbegriff für Bodybuilder, sondern das Brennen in deinen Unterarmen, wenn du zu viele Griffe hattest und zu wenig Pausen. Ab hier hilft nur eins: Schütteln, jammern und noch einen Versuch wagen. Jeder Kletterer kennt diesen Punkt, an dem die Hände wie Gummi wirken – und doch geht's weiter.
Flash und Onsight – die glorreichen Versuche
Flash und Onsight sind im Kletterjargon die glorreichen Erstversuche – beide bedeuten: Du machst die Route im ersten Go, ohne vorher daran herumzuprobieren.
Beim Flash hast du allerdings vorab Beta geschnorrt, andere zugeschaut oder dir Tipps geben lassen, während du beim Onsight wie ein ehrlicher Wand-Ritter ohne Vorwissen einsteigst und unterwegs improvisierst.
Im Idealfall fühlst du dich beim Onsight wie der Sherlock Holmes des Griffsuchens, beim Flash eher wie jemand, der für die Klausur heimlich doch in die Zusammenfassung geschaut hat.
So oder so: Klappt's, bist du der Held der Halle – klappt's nicht, nennst du es einfach „anspruchsvolle Stilfrage“ und machst beim nächsten Mal Rotpunkt draus.
Ein Onsight fühlt sich an, als würdest du den Jackpot knacken, während du rückwärts balancierst. Und ja, du darfst dabei jubeln, schreien oder philosophisch lächeln.
Moment Mal, Rotpunkt? Was war das denn?
Im Kletterjargon steht Rotpunkt für den Moment, in dem aus wildem Probieren endlich eine saubere Heldentat wird: Du hast eine Route vorher geübt, bist vielleicht zigmal rausgeflogen, kletterst sie dann aber einmal komplett durch – von unten bis oben, ohne Sturz und ohne dich ins Seil zu setzen.
Dabei darf die Route dir bekannt sein und Expressen kann schon hängen, aber beim entscheidenden Durchstieg zähle nur deine eigene Kraft, Technik und Nerven – genau dieser „Jetzt oder nie“-Go ist dein Rotpunkt.
Mentales Spiel: Zwischen Scheitern und Zen
Im Klettern ist das mentale Spiel die unsichtbare vierte Dimension: Muskelkraft bringt dich zur Schlüsselstelle, aber dein Kopf entscheidet, ob du sie wirklich ziehen kannst.
Zwischen „Heute flieg ich sowieso“ und „Ich atme das weg“ pendelst du ständig – mal Drama-Queen im Gurt, mal Zen-Mönch an der Wand, der jeden Clip wie eine kleine Meditation setzt.
Klettern ist 50 % Technik, 50 % Psyche – und 100 % Demut.
Denn egal, wie stark du bist: Die Wand gewinnt irgendwann.
Angst, Flow und Erfolg
Die Angst vorm Fallen begleitet alle. Wirklich alle. Auch Profis. Aber sie wird mit der Zeit zu diesem wilden, aber vertrauten Haustier, das du lernst, führen. Oder auch nicht. Wenn du im Flow bist – also ganz im Moment, zwischen Griff und Atmung – verschwindet die Angst. Nur du, die Wand und das Rauschen in deinem Kopf.
Projektieren – das Drama in Akten
Eine Route „projektieren“ bedeutet, sie nicht gleich zu schaffen, sondern Stück für Stück zu erarbeiten. Versuch für Versuch. Sturz für Sturz. Triumph für Triumph. Wer projektet, lernt Geduld – und dass echte Siege meist in Chalkstaub und kleinen Fortschritten stecken.
Kletter und Sicherungstechniken
Wie fange ich mit dem Klettern an? – Dein Guide für den perfekten Einstieg.
Warum Klettern die perfekte Sportart für Anfänger ist Ganzheitliches Training für Körper [...]
Zwischen Wand und Wirklichkeit: Klettertypen im Alltag
Kletterjargon beschreibt nicht nur Routen, sondern Menschen. Hier ein paar Typen, die dir bestimmt begegnen:
Training, Tapes und Terminologie im Wandel
Fingerboard & Hangboard
Wer außerhalb der Halle trainiert, hängt oft am Fingerboard oder Hangboard – einem Brett mit Löchern, an dem man Fingerkraft trainiert. Ziemlich stumpf, brutal effektiv, und eine gute Kunst, bei Familienbesuchen Misstrauen auszulösen („Warum hängt ein Brett über deiner Tür?“).
Taping – zwischen Mode und Medizin
Klebeband schützt Finger und Sehnen, aber es ist auch ein Statement. Manche Tapen wie Chirurgen, andere wie Kunstprojekte. Ein perfekt getapter Finger sagt: „Ich hab’s versucht, aber der Fels war härter.“

Kletterjargon: Taping als Kunst
Jargon im Wandel: Wenn TikTok und Boulderhalle verschmelzen
Mit der neuen Klettergeneration verändert sich auch die Sprache. Wo früher von „Routenbauern“ die Rede war, sprechen heute viele von „Setting Artists“. Moves heißen nicht mehr nur „Züge“, sondern „Styles“. Und Wörter wie „Flowy“ oder „Coordination Boulder“ sind längst Teil des alltäglichen Austauschs.
Das mag Puristen nerven, zeigt aber, dass Klettern lebendig bleibt. Jede Wand, jede Halle, jede Community erfindet den Jargon ein Stück weit neu – und genau das macht die Szene so bunt.
Warum der Jargon zählt
Sprache schafft Identität – auch am Fels. Wer Begriffe wie „Crux“, „Dyno“ oder „Dreibeinlogik“ kennt, spricht nicht nur eine Sport-Sprache, sondern gehört zur Community. Ob du auf Plastik oder Granit unterwegs bist – wer den Jargon versteht, versteht auch die Seele des Kletterns: den Mix aus Technik, Humor und ziemlich viel Selbstironie.
Denn am Ende geht’s weniger darum, wie hoch du kommst, sondern wie gut du über deinen Sturz lachen kannst.
Das große Glossar der Kletterbegriffe
Wenn du weitere Begriffe aus dem Kletterjargon nachschlagen möchtest, kannst du das umfangreiche Glossar mit deutschen und englischen Fachbegriffen nutzen oder dir eine PDF-Datei mit allen Begriffen per E-Mail zusenden lassen.
Kletterlexikon: Das große Glossar der Kletterbegriffe (Deutsch – Englisch)
Kletterlexikon: Das große Glossar der Kletterbegriffe (Deutsch - Englisch)Dieses Kletterlexikon bietet dir [...]
Fazit
Ob Chalk-Finger, pumpende Unterarme oder Beta-Flüsterer – der Kletterjargon erzählt Geschichten. Jede Redewendung, jeder Fachausdruck ist ein kleines Stück gelebter Erfahrung, Humor und Leidenschaft. Und wenn du das nächste Mal in der Halle stehst, weißt du: Hinter jedem „Dyno“ steckt mehr als ein Sprung – es steckt eine Einstellung zum Leben.
FAQ Kletterjargon
Die Dreibeinlogik ist im Kletterjargon ein Grundprinzip der Klettertechnik: Immer drei Punkte (zwei Hände und ein Fuß oder zwei Füße und eine Hand) stabil an der Wand lassen, während der vierte Punkt sucht.
Das sorgt für Balance und verhindert Abstürze – quasi Jenga meets Yoga an der Wand. Perfekt für Anfänger, um wackelige Züge zu vermeiden.
Ein Dyno (dynamischer Zug) ist ein explosiver Sprung von Griff zu Griff, bei dem du dich voll abstößt und durch die Luft fliegst – ohne dazwischen zu „gucken“ oder zu strecken. Es testet Leistung und Timing; Gelingt's, jubelt die ganze Halle. Tipp: Volle Körperspannung und Chalk nicht vergessen!
Die Crux ist die technisch schwierigste Stelle einer Route, wo die meisten scheitern. Der Pump beschreibt dagegen das brennende Gefühl in den Unterarmen durch Milchsäure – das Ergebnis, wenn du die Crux zu lange angreifst. Crux knackst du mit Beta, Pump bekämpfst du mit Schütteln und Pausen.
Beta sind Tipps oder die genaue Abfolge für eine Route (z. B. „Heelhook rein“). Onsight bedeutet, die Route beim allerersten Versuch ohne Beta zu schaffen – pure Intuition. Flash ist dazwischen: Erster Versuch, aber mit Beta. Onsights sind der Jackpot für Fortgeschrittene.
Häufige Klettergriffe sind Jug (einfach), Crimp (fies), Sloper (rutschig), Pinch (klemmen) und Pocket (Loch). Trainiere sie mit Fingerboard oder Boulder-Traversen: Crimp für Kraft, Sloper für Spannung. Starte mit deinem Tisch – und band bei Bedarf die Finger ab!
Nur, wenn du dabei so tust, als hättest du „einfach ein gutes Körpergefühl“ und nicht heimlich das Reel in Dauerschleife analysiert.
Jetzt im Ernst: Im Kletterjargon gilt ein Versuch als Flash, wenn du den Boulder im ersten Go durchsteigst, ohne vorher einzelne Züge ausprobiert zu haben – Vorwissen oder Beta (auch von Instagram, Videos oder Zuschauern) ist dabei ausdrücklich erlaubt.
Spätestens, wenn du den Boulder besser kennst als deinen Kontostand, aber immer noch am ersten Zug
scheiterst.
Im Kletterjargon spricht man von einem Projekt, sobald du eine Route oder einen Boulder bewusst mehrfach versuchst, daran tüftelst und Züge ausboulderst, weil er (noch) über deinem aktuellen Durchstiegsniveau liegt und du ihn dir langfristig vornimmst.

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